Ein kostenpflichtiger Notarvertrag kommt nicht durch Schweigen auf das Angebot der Fertigung eines Urkundenentwurfs zur Hofübergabe zustande

Das Schweigen auf den Vorschlag eines Notars, einen Urkundenentwurf zu fertigen, reicht grundsätzlich nicht aus, um eine kostenpflichtige Auftragserteilung annehmen zu können. Das bestätigt das Oberlandesgericht Hamm in seinem Beschluss vom 15.02.2019, Az.: 15 W 409/18.

Ein Notar vertrat in den Jahren 2015 bis 2018 anwaltlich den Eigentümer eines Hofgrundstücks in einer familiären Angelegenheiten. Der Eigentümer hatte den Hof an seinen Sohn verpachtet, der eine Hofübertragung auf sich wünschte. Weil der Hofeigentümer einer solchen Übertragung jedoch ablehnend gegenüberstand, kündigte er den Pachtvertrag mit seinem Sohn. Im Juli 2017 kam es noch einmal zu einem Gesprächstermin, an welchem auch der Eigentümer, sein Sohn und der Notar teilnahmen. Erneut wurde die Frage der Weiterbewirtschaftung des landwirtschaftlichen Betriebes und die Übertragung des Hofes zwischen den Terminbeteiligten thematisiert. Am Ende des Gesprächs unterbreitete der Notar den Vorschlag, Weiterlesen

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Allgemeine Geschäftsbedingungen in Zusatzvereinbarung zu einem Landpachtvertrag wirksam

Eine nachträglich eingefügte Klausel zu einem Landpachtvertrag, welche nach Beendigung des Pachtverhältnisses die Übertragung von Zahlungsansprüchen vom alten auf den neuen Pächter vorsieht, verstößt nicht gegen § 307 BGB, so das Oberlandesgericht Rostock in seinem Urteil vom 13.11.2018, Az.: 14 U XV 10/17.

Die Pachtvertragsparteien schlossen im April/Mai 2013 einen Landpachtvertrag mit einer Laufzeit bis September 2015. Eine Klausel über die Übertragung von Zahlungsansprüchen enthielt der Vertrag nicht. Im Juli 2014 wurde in beidseitigem Einvernehmen eine Übertragungsklausel in den Vertrag eingefügt.

Nach Ablauf der Vertragslaufzeit wurde das Land an neue Pächter übertragen, woraufhin der Verpächter die Übertragung der Zahlungsansprüche verlangte. Die ehemalige Pächterin übertrug diese unter Vorbehalt, Weiterlesen

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Höfeordnung – was Landwirte und weichende Erben wissen sollten / Teil II

Im I. Teil der kleinen Folge über die Höfeordnung ging es darum, wann eine landwirtschaftliche Besitzung der Höfeordnung unterliegt und wie sie sich vererbt. Wesentlich ist dabei, dass nur eine einzelne natürliche Person Hoferbe werden kann und dass die übrigen Miterben kein Eigentum an dem Hof erlangen.

Normalerweise gilt bei einem Erbfall, dass jeder der Miterben einen seiner Erbquote entsprechenden Teil des Verkehrswertes des Nachlasses erhält. Bei der Höfeordnung ist das anders. Die weichenden Erben erhalten nicht etwa von dem Hoferben den Betrag, der der Erbquote am Verkehrswert der landwirtschaftlichen Besitzung entspricht.

12 der Höfeordnung (HöfeO) bestimmt, dass sich die Abfindung der weichenden Erben lediglich nach dem Hofeswert richtet. Als Hofeswert gilt aber das Eineinhalbfache des Einheitswertes. Damit ist die Hofabfindung, Weiterlesen

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Höfeordnung – was Landwirte und weichende Erben wissen sollten / Teil I

Höferecht ist überwiegend Sondererbrecht. Es gilt aber nicht für jeden Betriebsinhaber und auch nicht überall.

Die Nordwestdeutsche Höfeordnung gilt nur für Betriebe, die in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Schleswig-Holstein oder Hamburg ihre Hofstelle haben. Erhebliche Bedeutung haben ferner die Höfeordnung für Rheinland-Pfalz und neuerdings auch die Höfeordnung für Brandenburg. Hier soll allerdings nur die Nordwestdeutsche Höfeordnung näher beleuchtet werden.

Die Höfeordnung verfolgt zwei Zielsetzungen:

Zum einen soll sie sicherstellen, dass der Hof im Erbfall nicht an eine Erbengemeinschaft, sondern an einen einzigen und geeigneten Hoferben fällt. Zum anderen will sie verhindern, dass der Hoferbe mit erbrechtlichen Abfindungsansprüchen konfrontiert wird, die der Betrieb nicht finanzieren kann. Denn anders als ein Wertpapierdepot kann ein landwirtschaftlicher Betrieb Weiterlesen

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Ganzjährige Anbindehaltung von Mastbullen verstößt gegen Tierschutzrecht

Eine ganzjährige Anbindehaltung von Mastbullen verstößt gegen die tierschutzrechtlichen Anforderungen des § 2 Nr. 1 TierSchG, wonach derjenige, der ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen muss. Zur Konkretisierung dieser Vorschrift kann auf die Empfehlungen der Tierschutzleitlinie für Mastrinderhaltung zurückgegriffen werden. Dies entschied der Oberverwaltungsgericht Lüneburg in seinem Beschluss vom 29.07.2019, AZ: 11 ME 218/19.

Ein Landwirt, der einen Nebenerwerbsbetrieb mit Rindern führte und seine Mastbullen in ganzjähriger Anbindehaltung hielt, erhielt im März 2019 nach einer amtstierärztlichen Kontrolle eine behördliche Anordnung, die ihm auferlegte, seine Kälber, die älter als acht Wochen seien, ab sofort in Gruppen zu halten, den Kälbern über zwei Wochen dauerhaft Zugang zu Wasser in ausreichender Menge und Qualität zu gewährleisten, innerhalb von acht Wochen sicherzustellen, dass seine Mastbullen nicht länger als sechs Monate ihrer Lebenszeit Weiterlesen

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Versagung der Grundstücksverkehrsgenehmigung bei spekulativem Höchstgebot

Eine Grundstücksverkehrsgenehmigung ist nach § 9 Abs.1 Nr. 3 des Grundstückverkehrsgesetzes (GrdstVG) zu versagen, wenn das von den Grundstückserwerbern in einem offenen, transparenten und bedingungsfreien Ausschreibungsverfahren abgegebene Höchstgebot nicht den Marktpreis widergespiegelt hat, sondern spekulativ überhöht gewesen ist. Das entschied das Oberlandesgericht Naumburg in seinem Beschluss vom 16.01.2019, Az.: 2 Ww 12/10.

Die Bodenverwertungs- und verwaltungs GmbH (BVVG) veräußerte einem Nichtlandwirt ein Flurstück, welches im Grundstückskataster als Ackerland verzeichnet war. Vertraglich wurde festgehalten, dass das Grundstück binnen eines Zeitraums von 10 Jahren zu landwirtschaftlichen/forstwirtschaftlichen Zwecken genutzt wird. Als der beurkundende Notar kurz danach den Antrag auf Genehmigung gem. § 2 des Grundstücksverkehrsgesetzes (GrdstVG) stellte, versagte der Landkreis diese. Der im Vertrag vereinbarte Kaufpreis stehe in einem groben Missverhältnis zum landwirtschaftlichen Verkehrswert Weiterlesen

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Flächen eines Maislabyrinths sind beihilfefähig

Der Beihilfefähigkeit einer Fläche, auf der Mais angebaut wird, steht es nicht entgegen, wenn diese als Maislabyrinth genutzt wird. Voraussetzung ist lediglich, dass der Maisanbau durch die Benutzung des Labyrinths nicht stark eingeschränkt ist. Dies entschied das Bundesverwaltungsgericht mit seinem Urteil vom 04.07.2019, Az.: 3 C 11.17.

Ein Landwirt hatte die Zuweisung von Zahlungsansprüchen für Flächen beantragt, die er mit Mais bestellte hatte. Später hatte er in den aufgelaufenen Mais Wege für ein Labyrinth gefräst. Die für die Zuweisung zuständige Landwirtschaftskammer lehnte den Antrag ab. Eine dagegen gerichtete Klage des Landwirten lehnte das Verwaltungsgericht aufgrund der mangelnden Beihilfefähigkeit der Fläche zunächst ab, da diese hauptsächlich zu Freizeitaktivitäten Weiterlesen

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