Wildschaden: Schadenersatzanspruch kann entfallen, wenn der Landwirt die Schaffung von Bejagungsschneisen ablehnt

Die Vorschriften des Bundesjagdgesetzes verpflichten den Jagdpächter, einem Landwirt den Wildschaden zu ersetzen. Dazu hat das Landgericht Hildesheim in einem Urteil vom 04.07.2014 (Az: 7 S 62/14) klargestellt, dass der Anspruch des Landwirts auf Schadenersatz wegen Wildschadens entfällt, wenn er die Schaffung von Bejagungsschneisen abgelehnt hat, obwohl ihm der Jagdausübungsberechtigte eine angemessene Ertragsausfallentschädigung angeboten hat. Im Streitfall hatte der Jagdpächter den Landwirt aufgefordert, die Anlegung von Bejagungsschneisen zu dulden, damit der Wildschaden gering gehalten werden kann. Der Landwirt lehnte ab. Nachdem Wildschweine erheblichen Schaden im Maisschlag angerichtet hatten, machte der Landwirt seinen Schaden gegenüber dem Jagdpächter geltend. Der lehnte ab mit der Begründung, den Landwirt treffe ein Mitverschulden, weil er nicht bereit gewesen wäre, die Anlegung von Bejagungsschneisen zu dulden. Dieser Argumentation folgt das Landgericht Hildesheim nicht. Es stellt klar, dass ein Landwirt nicht verpflichtet ist, auf seinem Grundbesitz Bejagungsschneisen anlegen zu lassen und auf der betreffenden Fläche einen Ertragsausfall hinzunehmen. Den Landwirt, so das Landgericht Hildesheim, hätte nur dann ein Mitverschulden an der Schadenentstehung getroffen, wenn der Pächter, der die Bejagungsschneisen anlegen wollte, dem Landwirt zugleich eine Entschädigung für den Ertragsausausfall angeboten hätte. Weil aber der Jagdpächter den durch die Bejagungsschneisen bedingten Ertragsausfall nicht übernehmen wollte, war dem Landwirt kein Vorwurf zu machen. Er konnte Ersatz für den gesamten Wildschaden beanspruchen.

Bei dieser Gelegenheit stellte das Landgericht Hildesheim auch klar, dass es sich bei Mais nicht um hochwertige Handelsgewächse im Sinne des § 32 Abs. 2 S. 1 Bundesjagdgesetz (BJagdG) handelt. Bei hochwertigen Handelsgewächsen besteht die Besonderheit, dass ein Wildschaden, der an ihnen entsteht, nicht ersetzt wird, wenn die Herstellung von üblichen Schutzvorrichtungen unterblieben ist, die unter gewöhnlichen Umständen zur Abwendung des Schadens ausreichen. Das bedeutet für den Landwirt, dass er Maisschläge nicht auf eigner Initiative mit Schutzvorrichtungen ausstatten muss, die normalerweise zur Abwendung des Schadens ausreichen. Allerdings droht ihm der Verlust des Schadenersatzanspruchs, wenn er das Angebot des Jagdpächters ablehnt, dass dieser geeignete Schutzmaßnahmen ergreift und dem Landwirt den damit verbunden Ertragsausfall erstattet.

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